Zuberbier-Orgel

  • Die erste(n) Orgel (n) in Osmünde
  • Johann Christph von Dreyhaupt schreibt in seiner 1749 erschienen Chronik des Saalkreises zur Osmünder Kirche: „Die Kirche ist dem Hl. Petrus geweiht und alt… Wie dann ein schön groß Orgelwerck von 19 Stimmen 1719 darinn erbauet, auch ein neuer Altar und Glocken darinnen sind.“ Mehrfach hat man versucht, die Orgel Christoph Cunzius zuzuschreiben, der 1716 und 1720 in Halle zwei große Orgeln gebaut hat. Da im Osmünder Kirchenarchiv die Rechnungsbücher der Jahre 1684- 1755 fehlen, liegen keine Akten zu einem Orgelbau Anfang des 18.Jh. vor.
  • Älteren Rechnungsbücher erwähnen zwischen 1668 und 1679 wiederholt den Einsatz eines „Orgelmachers aus Halle“ für mehre Wochen. Dafür hat dieser über 85 Asch (mehr als 100 Taler) bekommen, wofür man in dieser Zeit eine komplette Orgel neu bauen konnte. Es wird angenommen, dass es sich dabei um Georg Reichel (herzogliches Privileg für den Saalkreis ab 1655, gest. 1684)
  • Während der Sanierungsarbeiten im Jahr 2017 wurden in den Windladen der gegenwärtigen Orgel zwei Inschriften gefunden, die auf den Erbauer „David Zuberbier, Orgelbauer auß dem Orte Ballenstedt gebürtig“ hinweisen. Als Jahre der Erbauung werden 1722 und 1723
  • Bis zum Jahr 1797 sind mehrfach Pflege- und Reparaturarbeiten an der Orgel durch Johann Christoph und Johann Christoph Leberecht Zuberbier aus Halle (Sohn und Enkel von Daniel Z.) an Hand der Kirchenrechnungen nachweisbar.
  • 1819 erfolgte eine größere Orgelreparatur durch den Orgelbauer Carl Heinrich Knoblauch aus Glaucha bei Halle für 260 Reichstaler. Dabei wurden Eingriffe in die Stimmung und Registrierung vorgenommen. Die nächsten Reparaturen erfolgten 1844 bis 1846 (Inschrift) und 1852 bis 1853 (u.a. Pedallade saniert) durch Friedrich Wilhelm Wäldner und seinen Sohn August Ferdinand Wäldner aus Halle. Im Jahr 1884 fertigte der Organisten Freyer ein umfangreiches Gutachten an, in dem er vorschlug, die alte Orgel zu ersetzen. August Ferdinand Wäldner schloss sich Freyers Meinung an und schätzte ein, dass „dieses Werk der Reparatur nicht mehr wert, und … dass anstatt dieses alten Werkes ein neues, der Kirche und den jetzigen Anforderungen entsprechendes aufgeführt werde“. Trotzdem entschied sich die Kirchengemeinde für eine gründliche Reparatur der alten Orgel. Die Disposition blieb unverändert.
  • Im Vorfeld der umfangreichen Renovierung der Kirche 1934 sprach sich der Dozent für Kirchenmusik Balthasar vehement für einen Orgelneubau aus. Die zur Verfügung stehenden Mittel reichten aber lediglich für einen neuen Anstrich des Gehäuses aus. Als die Kirchengemeinde einige Jahre später, wahrscheinlich durch Landverkäufe im Zuge des Autobahnbaus, zu Geld kam, plädierte auch der Orgelsachverständige des Konsistoriums für den Abriss der alten Orgel und einen „zeitgemäßen“ Neubau.
  • Trotzdem nahmen Pfarrer und Kirchengemeinde mit mehreren Orgelbauern Kontakt auf, um die Möglichkeiten zur Sanierung der alten Orgel auszuloten. Trotz starker Bedenken des Konsistoriums wurde 1940 die Firma Hammer, Hannover mit einer umfassenden Reparatur beauftragt. Mitten im Krieg fand 1942 die Abnahme der sanierten Orgel statt, die ihr eine „außergewöhnliche Klangqualität“ bescheinigt.
  • In der Nachkriegszeit wurden kaum noch Reparatur- und Pflegearbeiten an der Orgel durchgeführt, so dass sie um 1985 kaum noch spielbar war. 1986 stürzte der Kirchturm ein. Dabei ging die Windanlage verloren. Durch die beschädigten Dächer konnte sich der Hausschwamm über die gesamte Orgelempore ausbreiten. Ein Teil des Pfeifenwerkes wurde ausgebaut und im Pfarrhaus „notgelagert“.
  • Nach der Wende 1989 begannen umfangreiche Instandsetzungsarbeiten an der Kirche, auch an der Orgelempore. Die verbliebenen Teile des Orgelwerkes wurden 1999 durch die Orgelbaufirma Hüfken demontiert, dokumentiert und mit den ausgelagerten Pfeifen in einer Box auf der Empore sachgerecht untergebracht. Auf Vorschlag des Orgelsachverständigen des Konsistoriums, Herrn Schulz, erarbeitete die Fa. Hüfken einen abgestimmten Reparaturvorschlag, der aber wegen fehlender Mittel zurückgestellt werden musste.
  • Durch eine zweckgebundene Erbschaft und ein attraktives Angebot der Fa. Paul Orgelbau aus Niederröblingen konnte die Gemeinde 2013 das Orgelprojekt wieder aufnehmen. Mit dem Eintritt in die Planungs- und Genehmigungsphase wurde eine umfangreiche Spendenaktion begonnen. Für die fachliche Begleitung der Arbeiten konnte der Orgelrestaurator Roland Hentzschel gewonnen werden. Von der Kirchengemeinde Esperstedt bei Querfurt wurde eine barocke Keilbalganlage erworben und vom Orgelbau Th. Schildt aus Halle überführt, instandgesetzt und auf der Orgelempore aufgebaut. Die Fa. Schildt übernahm auch die Restaurierung der stark geschädigten originalen Pedallade. Im Februar 2017 konnte die Fa. Paul den ersten Bauabschnitt übergeben und der Intonateur Matthias Ullmann mit dem Stimmen der ersten Pfeifen beginnen (Neidhard 1729 auf a1 = 440 Hz). Im Januar 2018 waren die Arbeiten am Orgelwerk abgeschlossen, die Intonation der gesamten Orgel erfolgte im Februar. Am 27.03.2018 wurde die Orgel vom Orgelsachverständigen des Kirchenkreises Tim-Dietrich Meier abgenommen.
  • Die Übergabe an die Gemeinde erfolgte im Gottesdienst am Ostersonntag 2018.

Disposition:

I Hauptwerk C–c3


Bordun 16′
Principal 8′
Quintadena 8′
Principal 4′
Spitzflöte 4′
Rohrquinte 223
Nachthorn 2′
Mixtur III
Trompete 8′
II Oberwerk C–c3


Gedackt 8′
Salizional 8′
Gedackt 4′
Principal 2′
Terzian II
Pedal C–d1


Subbass 16′
Gedacktpommer 8′
Choralbass 4′
Posaune 16′

Koppeln: II/I, I/P, II/P